Flatter-Ulmen und Mandel-Weiden - Neuer Auenwald für die Stepenitz

Flatter-Ulmen und Mandel-Weiden - Neuer Auenwald für die Stepenitz

Ein Zaun schützt die erste Zeit vor Wildverbiss.
Mehr als 3.000 Bäume und Sträucher wurden in den Boden der Flussaue gebracht.
Die Pflanzen entstammen regionalem Saatgut, 80 Eschen wurden vor Ort gewonnen.

Das Fließgewässersystem der Stepenitz im Norden Brandenburgs ist auch im landesweiten Vergleich noch besonders naturnah und verfügt über einen hohen Anteil nicht begradigter Gewässerabschnitte. Jedoch fehlen an manchen Ufern die typischen gewässerbegleitenden Auenwälder gänzlich. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gefällt und gerodet, um die Auenflächen als Wiesen und Weiden nutzen zu können. Heute ist diese Nutzung fast komplett aufgegeben und Schilfröhrichte und Hochstaudenfluren haben sich auf den Flächen ausgebreitet. Ihr sehr dichter Bewuchs macht es Bäumen und Sträuchern schwer, sich hier von allein wieder anzusiedeln.

Damit sich in Zukunft wieder standortgerechte Auenwälder an der Stepenitz entwickeln können, haben wir an sieben Standorten entlang des Gewässerlaufs der Stepenitz zwischen den Ortschaften Lübzow und Seddin in den letzten Wochen über 3.000 Bäume und Sträucher in den Boden der Flussaue gebracht.

„Mit den Pflanzungen wollen wir wieder einen Auenwald mit seinen vielfältigen Funktionen etablieren“, erklärt Projektmitarbeiterin Inga Willecke, „Die Gehölze sichern zum Beispiel die Uferböschungen und beschatten in den Sommermonaten das Gewässer, wodurch sich die Stepenitz nicht so stark erwärmt.“ Hierdurch verbessern sich die Sauerstoffverhältnisse im Fluss. Davon profitieren bedrohte Arten, die an sommerkühle Gewässer angepasst sind wie die Kleine Bachmuschel sowie Fische wie Döbel, Hasel und Lachs.

Typische Auenwaldarten aus regionalem Saatgut

Je nach Gewässerabschnitt hat das Projektteam unterschiedliche Auenwaldarten aus regionalem Saatgut von der Firma Claus Rodenberg GmbH aus Kastorf pflanzen lassen, unter anderem Ebereschen, Flatter-Ulmen, Erlen, Mandel-Weiden und Schneebälle sowie Eschen als weitere typische Baumart der Auenwälder. Um die jungen Gehölze vor Wildverbiss zu schützen, wurden sie für die ersten Monate eingezäunt, bis sie groß und widerstandsfähig genug sind.

Die Pflanzung der Eschen stellte dabei eine besondere Herausforderung dar. Inga Willecke von der Landes-Naturschutzstiftung erläutert: „Wegen des weitverbreiteten Eschentriebsterbens wird dieses Baumart von Baumschulen zur Zeit nicht mehr herangezogen, wodurch es keine Bäume zum Verpflanzen gibt. Glücklicherweise vermehrt sich die Esche von Natur aus an der Stepenitz noch zahlreich, sodass wir 80 Eschen direkt vor Ort gewinnen und in die Pflanzung integrieren konnten.“ Auenwälder haben wichtige Funktionen für den Gewässer- und Klimaschutz: Im Hochwasserfall mindern sie das Ausmaß der Überschwemmung, sie dienen als Kohlenstoffspeicher und Wasserfilter. Außerdem sind Auenwälder wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten wie Fischotter, Pirol und das Bittere Schaumkraut.

Das Projekt LIFE Feuchtwälder

In einem EU-LIFE-Projekt widmet sich die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg in den nächsten Jahren dem Erhalt und der Wiederherstellung von Auen- und Moorwäldern.

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Ansprechpartner:              Michael Zauft (Projektleitung)

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