Gemeinsam für die Einbeere

Gemeinsam für die Einbeere

Einbeere im Sonnenlicht (Foto: A. Ferch)

Naturinteressierte lauschen gespannt der Mitarbeitenden der Loki-Schmidt-Stiftung (Foto: NSF)

In der Stepenitz fühlt sich auch die inzwischen seltene Bachmuschel wohl. Inga Willecke holte zum Beiweis eine Bachmuschelschale aus dem Wasser. Foto: F. Berhorn

Exkursion mit Kooperationspartnern 
Mit blau schimmernden Beeren im warmen Sonnenlicht waren sie am Fuße einer Schwarzerle zu entdecken – gleich mehrere Pflanzen der Einbeere konnten die Teilnehmenden bei einer Exkursion an der Stepenitz bewundern. Die Einbeere ist streng geschützt, zur Blume des Jahres 2022 gewählt worden und bevorzugt als Lebensraum alte Wälder. Gründe genug, interessierte Naturfreunde zu einer projektübergreifenden Veranstaltung einzuladen: Gemeinsam ging es also mit der Loki-Schmidt-Stiftung aus Hamburg und den beiden Stiftungsprojekten des NaturSchutzFonds – LIFE Feuchtwälder sowie Natura 2000 Umweltsensibilisierung – Ende August an die Stepenitz im Landkreis Prignitz. Bei sommerlichen Temperaturen führte der Spaziergang vom Dorf Rohlsdorf entlang an Wiesen hin zum Auwald. Auf die Stepenitz und die angrenzenden Mähwiesen blickend, erzählten Maria Schrödter und Frank Berhorn von einigen Maßnahmen – beispielsweise der Anlage von Pufferstreifen zum Fließgewässer oder ein angepasstes Mahdregime  –, deren Umsetzung im Rahmen des Projektes Umweltsensibilisierung im FFH-Gebiet Stepenitz eine wesentliche Rolle spielen. 

Einbeere und ihren Lebensraum schützen
Im Auwald angekommen berichtete Svenja Holst (Loki-Schmidt-Stiftung) über die Besonderheit der Pflanze: Sie bildet nur eine einzige – nicht gerade wohlschmeckende und dazu auch noch giftige – Frucht aus, die wenig Samen trägt und sich unterirdisch verbreiten kann. Obwohl einige Exemplare bis zu 300 Jahre alt werden können, geht ihr Bestand zunehmend zurück. In sechs Bundesländern steht sie bereits auf der Roten Liste. Der Auwald nahe der Stepenitz ist für die Einbeere idealer Lebensraum: Als Nebenfluss der Elbe zählt die Stepenitz zu den ökologisch bedeutsamsten und am besten erhaltenen Fließgewässersystemen Brandenburgs. Weitgehend vom Menschen unbeeinflusste Gewässerabschnitte vermitteln eine urwaldartige Unberührtheit der Natur. Vor allem die Waldbereiche sind dabei für die kleine Pflanze interessant. In schattigen Gegenden mit feuchtem, nährstoffreichem Boden kann sie gut gedeihen und ist eine der charakteristischen Pflanzenarten der Auwälder. Daher wollten die Projektmitarbeitenden von LIFE Feuchtwälder, wie Inga Willecke berichtete, Jungpflanzen im Auwald wiederansiedeln. Doch die Keimung aus den gesammelten Samen gelang leider bisher nicht. Die Anzucht der Einbeere ist mit einigem Aufwand verbunden, da die Samen der frostkeimenden Pflanze erstmal ein paar Wochen im Tiefkühlfach verbringen müssen. Vermutlich spielte bei dem bisherigen Misserfolg aber ein anderer Faktor eine Rolle. Normalerweise werden die Samen meist durch Vögel verbreitet – für die erfolgreiche Keimung fehlten also die Bakterien aus dem Verdauungstrakt von Vögeln. Umso wichtiger ist es, die Wildbestände der Einbeere und ihr Habitat als solches zu erhalten; auch jene, die mit ihr zusammen eine einzigartige Pflanzengemeinschaft bilden. 

Stepenitz auch für Tiere von großer Bedeutung
Denn neben den 37 nachgewiesenen Fischarten fühlen sich in und an der Stepenitz auch Kammmolch, Knoblauchkröte, Eisvogel und zahlreiche Fledermausarten sowie die inzwischen seltene Bachmuschel wohl. Zu ihrem Erhalt und Schutz führt die Stiftung in den kommenden zehn Jahren ein neues EU-LIFE-Projekt durch. Einen ersten Vorgeschmack konnten die Naturinteressierten erhalten, als Inga Willecke auf dem Rückweg kurzerhand eine Bachmuschelschale aus dem Wasser holte. 

Das Projekt LIFE Feuchtwälder

In einem EU-LIFE-Projekt widmet sich die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg in den nächsten Jahren dem Erhalt und der Wiederherstellung von Auen- und Moorwäldern.

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Ansprechpartner:              Michael Zauft (Projektleitung)

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